Verpackungen und Ressourcen-Effizienz: Den gesamten Lebenszyklus betrachten!

Um das Image von Kunststoffverpackungen war es in der Öffentlichkeit nie gut bestellt. Befeuert werden die Diskussionen seit geraumer Zeit durch diverse Medienberichte rund um Marine Littering und mangelnde Recyclingfähigkeit.

Die öffentliche Wahrnehmung ist das Eine, der fachliche Diskurs das Andere. So ist von den verantwortlichen Stellen noch zu definieren, anhand welcher Parameter die Recyclingfähigkeit flexibler Verpackungen genau bewertet werden soll. Hinzu kommt, dass es um die Ressourceneffizienz und den CO2-Fußabdruck von Verpackungsfolien besser bestellt ist, als oftmals behauptet wird – gerade dann, wenn man den direkten Vergleich mit anderen Verpackungsmaterialien zieht.

Grundsätzlich ist es so, dass Kunststoffverbunde aufgrund ihrer hocheffizienten Schutzeigenschaften zum Verpacken von Lebensmitteln in der Praxis kaum durch sortenreine, recyclingfähige Materialien oder andere Werkstoffe sinnvoll ersetzt werden können.

So ist für den Ersatz einer 70 µm dünnen Verbundfolie eine 1.200 µm starke Monofolie notwendig, um eine gleichwertige Sauerstoffbarriere zu gewährleisten. Das entspricht einem Materialmehraufwand, der 20 mal so hoch ist.

Fest steht, dass Kunststofffolien für Lebensmittel heute schon einen Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten. So sind die relevantesten Substrate „Polyethylen“ und „Polypropylen“ gewissermaßen „Abfallprodukte“, die aus den Abscheidungen beim Raffinieren von Rohöl entstehen. Das bedeutet, dass die Nutzung des Rohstoffs schon als eine Art der Wiederverwertung betrachtet werden kann. Ein weiterer maßgeblicher Faktor ist der effiziente Wirkungsgrad in der thermischen Verwertung von Verpackungen. Auch hier werden wiederum fossile Brennstoffe eingespart. Insgesamt ist bei der Bewertung des Umwelteinflusses also die ganzheitliche Betrachtung des Lebenszyklus angebracht. Und bei dieser Sichtweise relativiert sich der vermeintliche Umweltvorteil von Materialien wie Glas, Pappe oder Weißblech.

Welche relevanten Treiber gibt es in Bezug auf den Verbrauch des Rohstoffs Erdöl? In Deutschland liegt der Anteil des gesamten Verpackungsbereichs bei lediglich 1,5 Prozent. Im Vergleich hierzu verbraucht allein der Verkehr rund 32 Prozent. Dadurch wird klar, dass Einsparungen im Verpackungsbereich keinen nennenswerten Beitrag zu einer Senkung des Rohölverbrauchs leisten können.

Der direkte Vergleich von Verpackungsarten offenbart, dass Kunststoffverpackungen in der Bilanz nicht so schlecht dastehen. Davon ausgehend, dass Nahrungsmittelverluste (hauptsächlich durch Wegwerfen) jährlich immense Mengen an Emissionen zur Folge haben, wird der prozentuale Anteil der Verpackung zum kritischen Faktor. Die WHO hat ermittelt, dass Lebensmittelverluste jährlich 4,4 Gigatonnen an Treibhausgasemissionen verursachen!

Die Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung (GVM) hat ermittelt, was passiert, wenn es keine Kunststoffpackmittel mehr gäbe. Dabei wurde zugrunde gelegt, dass Folienverpackungen, Kunststoffbecher, Schaumstoffverpackungen usw. durch praktikable Alternativen aus Papier, Pappe, Karton, Glas, Weißblech, Stahl, Aluminium oder Holz ersetzt werden. Das Ergebnis: Das Verpackungsgewicht würde auf das Vierfache steigen, der Energieverbrauch für die Herstellung auf das 1,5-fache. Die Produktionskosten wären rund zwei Mal so hoch. (Quelle: PlasticsEurope, bestens schützen mit immer weniger Materialeinsatz, auch Plastics – the facts 2017).

Und auch das verpackte Produkt selbst hat einen oft vielfach höheren Carbon-Footprint als die Verpackung. Beispiel Rindfleisch: Die Herstellung von einem Kilogramm Rindfleisch verursacht laut einer IK-Studie rund 13 Kilogramm CO2-Emissionen, die Verpackung selbst lediglich rund 200 Gramm. Hinzu kommt, dass die Folie nur einen Bruchteil der gesamten Verpackung ausmacht. Und hier sind die Optimierungspotenziale in Bezug auf Gewicht größtenteils ausgereizt. Darüber hinaus liegt der gesamte Anteil von Verpackungen in Deutschland im CO2-Fußabdruck bei lediglich 1%

Die genannten Beispiele machen deutlich, dass hochentwickelte Kunststoffverbunde in ihrer Gesamtbetrachtung bereits ein wichtiger Bestandteil von nachhaltigen Verpackungskonzepten sind. Ungeachtet dessen ist es richtig und wichtig, dass wir uns als Verpackungsbranche weiterentwickeln, um Lösungen für die kommenden Herausforderungen anzubieten. Kunststoff kann dabei in unserer Gesellschaft mehr ein Teil der Lösung und weniger Teil des Problems sein.

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Dirk Stolte Leiter F&E / Anwendungstechnik
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